Was ist eigentlich Lomography?

Zentraler Teil der lomographischen Fotoschule ist ein Regelwerk aus 10 sogenannten Goldenen Regeln. Diese Regeln dienen der Befreiung von üblichen Vorschriften über das, was „gute“ und „richtige“ Fotografie ausmacht bzw. auszumachen scheint.

Leichtigkeit, Spieltrieb und die Freude am Zufall sind dabei maßgeblich. Hiermit stehen die Lomographen im krassen Gegensatz zu den Bildgestaltern, die bewusst mit den vermeintlichen Schwächen und Grenzen ihrer Toycameras kämpfen oder sie zielgerichtet einsetzten. Der/die Toycamera-Fotograf/Fotografin fotografiert langsam, bedächtig, überlegt. Er oder sie arbeitet mit den Eigenschaften der Plastikkamera, ringt um die bestmöglichen Bilder mit der „Krappy Kamera“. Der/die Lomograph/Lomographin hingegen knipst frei und ungehemmt, macht es zum Lifestyle, zelebriert das Zufällige, fotografiert viel und entfesselt. Auch auf diese Weise entsteht bzw. kann Kunst entstehen. Die Ästhetik des Schnappschusses sowie der freie Entstehungsprozess dieser Lomographien charakterisieren einen eigenen Kunstbegriff. Die Selbstauflösung des Regelwerks durch die 10. Regel, nämlich dass es keine Regeln gibt, verstärkt den in den 9 vorausgegangenen Regeln angelegten Freiheitsgedanken und bringt eine ironische Komponente ins Spiel.

 

 

 

10 goldene Regeln

1. Nimm deine Kamera überall hin mit.
Die Kamera als ständiger Begleiter. Ganz im Sinne des Fotografen und CEO von Creative Live, Chase Jarvis gilt auch in der Lomographie der Satz: „ The best camera is the one you have with you.“
2. Verwende sie zu jeder Tages- und Nachtzeit!
Das Leben findet rund um die Uhr statt. Mittels „bulb“-Einstellung und der Bereitschaft unscharfe und verwackelte Bilder zu bekommen, ist die Kamera auch in schlechten Lichtsituationen immer dabei. Im Notfall hilft ein Blitz.
3. Die Lomographie ist nicht Unterbrechung deines Alltags, sondern ein integraler Bestandteil desselben.
Nahtlos gehen das Knipsen und das übrige Leben ineinander über. Das Lomographieren wird somit zur Alltagshandlung.
4. Übe den Schuss aus der Hüfte!
Der Sucher vieler Toycameras ist sowieso ungenau. Das Einrichten des Bildes führt zur Verzögerung im Leben. Also wird die Kamera nur in die gewünschte Richtung gehalten. Wenn es mal schnell gehen muss, die Situation durch eine Kamera gestört würde oder wenn man die Perspektive interessant findet, knipst der Lomograph/die Lomographin aus der Hüfte.
5. Nähere dich den Objekten deiner lomographischen Begierde so weit wie möglich!
Dem Magnum-Fotografen Robert Capa wird folgender Satz zugeschrieben: „If your photographs aren’t good enough, you’re not close enough.“ Die große Nähe zum Objekt ist ein ungewöhnlicher Blick. Er ist dramatisch und aufregend. Dies gilt für Lomographen genauso wie für den Reportagefotografen Capa. Wenn auch unter ganz verschiedenen Vorzeichen.
6. Don’t think.
Kreative Grenzen im Kopf, die althergebrachten fotografischen Regeln, verhindern den ungebremsten Schnappschuss. Allein der Gedanke: „Mach ich das Bild oder nicht?“, steht im Widerspruch zum lomographischen Geist.
7. Sei schnell.
Denken kostet Zeit. Die Idee, der Moment, der Blick, das Licht, die Situation ist viel zu schnell vorbei.
8. Du musst nicht im Vorhinein wissen, was dabei herauskommt.
Oft geht es um die Schnelligkeit und das Vertrauen auf den Zufall. Wer ein Bild plant, „fotografiert“. Er lomographiert nicht.
9. Im Nachhinein auch nicht!
Bei dieser Art zu knipsen entstehen oft verwirrende Fotos. Gerade diese können aber geheimnisvoll, interessant und sehr ästhetisch sein.
10. Vergiss die Regeln!
Wer über Regeln nachdenkt, bremst seinen lomographischen Knipsfluss, setzt der eigenen Kreativität Grenzen.

Hinweis: D18-Foto unterhält keine wirtschaftlichen Verbindungen mit Lomography. Ich freue mich über deren Beitrag zur Wiederbelebung der analogen Fotografie. Ich fühle mich als „Kunde freundschaftlich verbunden“.